zumikon | kultur und kommunikation

Aktuelle Ausstellungen

zumikon studio

Felix Schramm: »concealed revealed«

Eröffnung: Donnerstag, 15. Juli 2010, 20.00 Uhr
Einführung: Kathleen Rahn, Direktorin des Kunstvereins Nürnberg / Albrecht Dürer Gesellschaft

Ausstellungsdauer: bis 18. September 2010

Öffnungszeiten: Di–Sa 17–20 Uhr

Eine Ausstellung des »Instituts für moderne Kunst«
www.moderne-kunst.org

Der Düsseldorfer Künstler Felix Schramm baut »Räume im Raum«. Seine ortsbezogenen und raumgreifenden bzw. »raumsprengenden« Installationen loten das Spannungsfeld zwischen Konstruktion und Destruktion aus und greifen entschieden in die jeweilige Raumarchitektur ein, um ihr eine neue Prägung zu verleihen.
Seit 2000 hat Felix Schramm mit Arbeiten auf sich aufmerksam gemacht, in denen er herkömmliches Baumaterial wie Rigipsplatten in skulptural-architektonische Objekte über-führt, die nicht nur den Raum besetzen, sondern auch dessen Wände scheinbar gewaltsam durchstoßen. Diese Konstruktionen sehen aus, als hätte der Künstler ein Stück der Raum-architektur ausgeschnitten und neu in den Raum gesetzt – mit all seinen Narben und Bruchstellen.
Brüche und Schlitze, Drehungen und Kippungen, Verschiebungen und Dehnungen, Löcher und Risse sind charakteristische Merkmale von Felix Schramms Skulpturen. Vertraute räumliche Relationen wie Innen und Außen, Oben und Unten, Horizontale und Vertikale greifen nicht mehr – »durch Ausbuchtungen (...) aber auch durch sich zurückziehende architektonische Elemente entsteht eine Dynamisierung des Raumes« (Brigitte Kölle).
Indem Felix Schramm die Grenzen zwischen Raum und Kunstwerk, zwischen Architektur und künstlerischem Eingriff immer weiter verschiebt, findet er überraschende Antworten auf die grundlegende Bildhauer-Frage: In welchem Verhältnis stehen Skulptur und Umgebung?
»Raum und Skulptur fallen, gleiten ineinander« schreibt Jens Hinrichsen, »vertraute Orte kippen aus dem Lot.«
In den letzten Jahren sind neue Arbeiten entstanden, von Negativformen aus Silikon abgeleitete Boden- und Podestskulpturen, die durch mehrfaches Abformen bzw. Umgießen ihre Gestalt stark verändert haben. In diesen Arbeiten wird die vermeintliche Unvereinbar-keit von Abstraktion und Figuration ebenso zum Thema wie die Funktion der farbigen Oberflächen, die etwas eigenartig Haptisches besitzen.
Parallel zu den Installationen und Skulpturen entstehen auch Arbeiten auf Papier. Sie basieren auf  Fotografien von Felix Schramms eigenen Skulpturen, die zerschnitten und neu zusammengefügt werden – Collagen also, konzeptionelle Gedankenskizzen, die einen unmittelbaren Eindruck von der Arbeitsweise des Künstlers vermitteln.

Werk: Felix Schramm

Felix Schramm

zumikon lounge

Sebastian Tröger: »Mountain Man«

Eröffnung: Donnerstag, 15. Juli 2010, 20.00 Uhr

Ausstellungsdauer: bis 18. September 2010

Öffnungszeiten: Di–Sa 17–20 Uhr

Es ist schwer zu sagen, was mit dem White Cube geschieht, wenn er in Sebastian Trögers Arbeit gewissermaßen medial erobert wird. Wenn sich eine fremde Zivilisation auszubreiten scheint, wird der White Cube zur urprünglichen Wildnis, zu einem Ort, der erst erschlossen werden muss, um ihm irgendeinen Nutzen abzugewinnen. Natürlich könnte man sagen, dass dies bei jeder Ausstellung geschieht; dass die Nutzfunktion des White Cube schließlich ist, dass er das Potential zu seiner Erschließung bereithält, die durch nichts – und vor allem nicht durch ihn selbst gehindert werden darf. In diesem Sinne ist jede Ausstellung eine Erschließung des White Cube, und da zeitgenössische Kunst im Idealfall auch immer ihre eigenen Bedingungen thematisiert, ist sie auch immer eine Ausstellung über den White Cube selbst.
Dass wir um „Mountain Man“ herum die Invasion des White Cube so deutlich wahrnehmen, liegt vielleicht daran, dass Sebastian Tröger ihn gewissermaßen nicht selbst erschließt, sondern vielmehr erschließen lässt. Die Geste des Künstlers vermittelt sich durch das Zusammenspiel von Welten in Form von Malereien, Filmen und Installationen, die autark aus sich selbst zu wachsen scheinen; vor allem sind dies Welten der technischen Arbeit, die den Raum auf ganz andere Weise erschließen als durch die reine Hängung von Tafelbildern oder eine andere ästhetische Ordnung. Diese Welten gehorchen eigenen Gesetzen, die für uns unübersetzbar sind; aus ihrer Perspektive heraus ist das Zumikon mitnichten ein Ausstellungsraum, sondern geradezu Landschaft.
Nun wird in Sebastian Trögers Arbeiten der zur Landschaft gewordene White Cube eben mit Methoden angegangen, die seiner Umformulierung zur Ursteppe gerecht werden. So wäre „Mountain Man“ eine späte Rache der rohen Gewalten der Zivilisation gegenüber ihren Feinheiten, eine Wiedereroberung des Ortes der Hochkultur durch die Kräfte, die ihn erst möglich gemacht haben.
In „Mountain Man“ äußert sich folglich auch ein utopischer Anspruch, den wir unsererseits nicht verstehen können. Der Sinn des zivilisatorisch-industriellen Unterfangens, dem der White Cube hier unterzogen wird, erschließt sich ebenso wenig wie das Stadium, in dem es sich befindet. Die Eroberung kann abgeschlossen sein, oder erst an ihrem Beginn stehen, in einer Phase der Initiation und zaghafter Realisationsversuche; sie mag monumental sein, oder ein nie abzuschließendes Monument des Scheiterns, ein Versuch, dem Urzustand des leeren Raumes mit technischen Aufwand entgegenzuwirken, oder umgekehrt dieser Leere als etwas ganz Abstraktem durch schöpferische Produktivität Leben zu verleihen.

Werk: Sebastian Tröger

Werk: Sebastian Tröger

Werk: Sebastian Tröger

Werk: Sebastian Tröger

Sebastian Tröger