zumikon | kultur und kommunikation

Ausstellung Felix Schramm und Sebastian Tröger, 15. Juli bis 18. September 2010

Unter dem Titel »Das Zumikon ist in Männerhand« schrieb Birgit Ruf am 20.7.2010 in den Nürnberger Nachrichten:

Pünktlich zur Hochsommerzeit geht auch das Zumikon am Pegnitzufer nach draußen: Im Garten am Fluss steht als Lockvogel für die Doppelausstellung im Inneren des Hauses die künstlerische Auseinandersetzung mit einer Sperlingsart.
Um die Anspielungen in diesem Kunstwerk verstehen zu können, muss man in Sachen Ornithologie sattelfest sein. Oder zumindest wissen, dass Laubenvögel ein ganz besonderes Balzverhalten an den Tag legen: Die Weibchen paaren sich mit den Baumeistern der schönsten Lauben. »Um die Weibchen anzulocken, sammeln die Vögel blaue Gegenstände und legen damit den Boden aus«, erklärt Kuratorin Verena Waffek mit Blick auf die mit blauen Farbflächen umlegte Kunst-Laube. Waffek hat den jungen, aus Erlangen stammenden Künstler Sebastian Tröger eingeladen, Lounge und Garten im Zumikon zu bespielen und wusste schon vorher: »Er denkt sehr naturverbunden.«
Auch in seiner Indoor-Ausstellung arbeitet der 24-Jährige viel mit Naturmaterialien, vor allem mit Holz. Aus Lättchen und Spänen lässt er ein ebenso fragiles wie raumgreifendes abstraktes Gebilde an der Wand wuchern und stellt vor seinem großformatigen, mit archaischen Motiven besetzten Gemälde kleine hölzerne Kreise auf, die an Fallen oder Brunnen, Feuerstellen oder frühe Siedlungsbauten mit Schutzmauern erinnern. Tröger kann aber auch ganz modern: Mit raffinierter Filmtechnik lässt er im Untergeschoss zentrale Fragen der Kunst von befreundeten Kollegen erörtern.
Um die geht es auch Felix Schramm (Jahrgang 1970), Träger des renommierten Piepenbrock-Förderpreises für Skulptur. Der ehemalige Meisterschüler von Jannis Kounellis an der Düsseldorfer Kunstakademie stellt auf Einladung des Instituts für moderne Kunst erstmals in Nürnberg aus und bespielt das Studio im Zumikon. Sein Motto dabei: »Emportauchen und Verschwinden«, so zumindest lässt sich der Ausstellunsgtitel »concealed revealed« übersetzen.
Schramm präsentiert eine spröde und rätselhafte Mischung aus Skulptur und Klang, minimalistischen Eingriffen und wuchtigen Objekten, Abstraktion und Anleihen aus Natur und Architektur. »Die autonome Skulptur gibt es für mich nicht«, sagt der mehrfach ausgezeichnete Bildhauer, der in seinen Arbeiten stets das Prozesshafte betont.
Er arbeitet mit Pressspan und Ton, Armierungsgittern und Fotografie. Wie sich das alles auf einen Nenner bringen lässt? »Die Verschiebung an sich interessiert mich«, sagt Schramm und beschreibt so den roten Faden der Theorie in seinen Werken. Die haben generell den Charakter des Experimentellen, Vorläufigen, Rohen und Dynamischen.
»Die Bildhauerei ist eine teure, langwierige und staubige Angelegenheit. Meine Idee war immer, da Bewegung reinzubringen«, erläutert der gebürtige Hamburger. Im Zumikon verlangt er den Besuchern dabei aber einiges ab - nicht nur wegen des Höllenlärms, den die beiden Plattenspieler in unregelmäßigen Abständen verursachen. Sie geben aber ein plakatives Beispiel dafür ab, was Schramm mit »Verschiebungen« meint: Knapp neben das Loch in den Schallplatten hat er ein zweites gebohrt und die Scheiben mit Kinderliedern oder Prozessionsgesängen auf den Plattenspielerstift gesetzt. Da eiern sie nun vor sich hin und geben ihre Inhalte verzerrt und in einer Affenlautstärke wieder. Lange hält man das nicht aus und flüchtet gerne wieder in die ruhigere Naturecke von Sebastian Tröger.

Ausstellung Felix Schramm und Sebastian Tröger, 15. Juli bis 18. September 2010

Unter dem Titel »Störfeuer auf allen Kanälen« schreib Ute Maucher am 20.7.2010 in der Nürnberger Abendzeitung:

Felix Schramm ist bekannt für raumgreifende Arbeiten. Seine Architekturkonstruktionen scheinen Wände zu sprengen, und gelegentlich haut er tatsächlich Löcher in dieselben. Auch im zumikon, wo sich der international gefragte 40-jährige Düsseldorfer Bildhauer erstmals Nürnberger Kunstfreunden vorstellt, beschränkt er sich nicht auf das Studio des Instituts für Moderne Kunst. Seine Rauminstallation beherrscht die ganze Etage – nicht optisch, aber lautstark.
Bereits im Treppenhaus schlägt einem Gelächter und Geschrei entgegen, das eine ausgelassene Kinderschar im Studio vermuten lässt. Dort entpuppen sich jedoch zwei Plattenspieler als Quelle des Klangbreis. Die Scheiben darauf lassen abwechselnd und stark verzerrt Kinderlieder und Prozessionsgesänge hören. »In Ruhe schauen« ist bei diesem Werk nicht. Mit den nervtötenden Geräuschen im Ohr fällt es schwer, sich auf Details zu konzentrieren: im Raum liegende und stehende Skulpturen aus Armiergittern und auf schräg gestellten Spanplatten oder Gipsskulpturen mit rissiger Oberfläche, die in einigen Fällen das Ergebnis von Materialtests sind. Die dominierende Geräuschkulisse stört die Betrachtung der Einzelheiten, sie zwingt zur Gesamtwahrnehmung – und ist damit bindendes Glied dieser höchst irritierenden Rauminstallation.
Mit »concealed revealed« hat Felix Schramm erstmals verschiedenen Stränge seines Werks zusammengeführt. Ein Experiment , das insofern gelungen ist: Man möchte sich näher mit dem Künstler beschäftigen, der »Beschleunigung« in die Bildhauerei bringen möchte. Ein geplanter Band über sein Werk kommt zupass.

Ausstellung Felix Schramm und Sebastian Tröger, 15. Juli bis 18. September 2010

Unter dem Titel »Manche Vögel machen quasi Kunst« schrieb Christian Mückl am 16.7.2010 in der Nürnberger Zeitung:

Dass sich Menschen mitunter wie Tiere benehmen, ist bekannt. Es geht aber auch andersrum: Bei den Laubenvögeln zum Beispiel – das sind Piepmätze vom Amazonas – ist es so, dass die männliche Spezis turmartige Architekturen baut, deren Zweck nicht etwa in der Nutzung als Nest besteht. Vielmehr werben sie damit um Frauen. Wer den besten Turm anlegt, kriegt die Schönste. »Die Vögel machen quasi Kunst«, sagt Sebastian Tröger.
Der wiederum muss es wissen. Nicht nur, da er selbst Kunst macht. Seine jetzige Ausstellung im Nürnberger Zumikon hat der 1986 in Erlangen geborene Künstler gar um einen Laubenvogelturm am Flussgrundstück ergänzt. Mal sehen, ob er Weibchen anlockt. Oder wenigstens Besucher. Oder gar Galeristen.
Der verheißungsvoll archaisch geschlichtete Holzbau könnte als Lockstoff für das dienen, was im Studio des Zumikons zu sehen ist. Trögers Schau »Mountain Man« besteht erneut aus einem archaisch gebastelten Geflecht dünner Holzstäbchen, das sich filigran über drei Wände erstreckt. Alle seine Exponate, darunter ein Gemälde, zitieren in Form und Farbe assoziationsreich die Natur.
Mit Ausnahme seines Films. Er zeigt drei fiktive Charaktere, allesamt mit dem Kunstbetrieb verbandelt, wie sie referieren, zitieren, dialogisieren und lamentieren. Trögers gesunde Skepsis, ja heitere Distanz zu vorgefertigten Künstler-Rollen kommt dabei gut zum Ausdruck. Vielversprechend.
Was sich von den verstiegenen Beiträgen Felix Schramms, den das Institut für Moderne Kunst in der Lounge vorstellt, leider nicht behaupten lässt. So mögen die ortsbezogenen, »raumsprengenden« Arbeiten des 1970 geborenen Künstlers aus Düsseldorf andernorts Wirkung entfalten, wo sie als brachiale, doppelbödige Fetzen aus Bauschrott große Hallen durchteilen. Im Zumikon jedoch, wo Schramm mit nervtötend falsch leiernden Plattenspielern, Skulpturenbruch oder Baumarktkram einen »modellhaften Korridor« schaffen möchte, aus dessen »Bruchsituation sich was entwickeln kann«, wächst vor allem eins: Der Wunsch, diesen mit Belanglosigkeiten und spröden Theorien aufgeplusterten Ort alsbald wieder zu verlassen.

Ausstellung Verena Manz, 7. Mai bis 26. Juni 2010

Unter dem Titel »Sehenswerte Doppelausstellung im Zumikon« schrieb Birgit Ruf am 12.5.10 in den Nürnberger Nachrichten:

Mit froher Bestimmtheit bietet Verena Manz dem Betrachter ihr in jahrelanger Kleinarbeit entstandenes Paradies dar: Rund und bunt ist hier alles, die Gemälde und bemalten Häkeldeckchen an den Wänden, die veredelten Hüte und die stets offenen bunten Vogelkäfige, die Objekte und Skulpturen, die Manz aus Fundstücken baut oder aus Schichten von Zeitungspapier aubaut. Ein fröhliches Universum, an dem man sich ganz sicherlich nicht schnell satt sehen kann. Selbst wenn die Künstlerin für ihre übermanns- großen Figuren mit den knuffigen Händen und Füßen ausnahmsweise zur Farbe Weiß greift, ist die schrill: »Es ist Leuchtfarbe, erläutert die Künstlerin«.

Ausstellung Verena Manz, 7. Mai bis 26. Juni 2010

Unter dem Titel »Belebend, verstörend und leicht zu reinigen« schrieb mm/mur am 7.5.10 in der Nürnberger Abendzeitung:

Einen Knalleffekt setzt Verena Manz in der Lounge des Zumikon. Kunterkunst, die süchtig macht – auch die Nürnbergerin selbst. Ihre Figuren und Skulpturen entstehen aus Streifen von Zeitungspapier, in verleimten Schichten, was die runde Formen gibt, an denen Manz so lange weiterklebt, bis die Figur gerade noch durch die Wohnungstür passt. Figuren bekommen dann weiße Farbe und Klarlack als Überzug, „ weil’s leichter zu reinigen ist.“ Auf Skulpturen und Objekte kommt hingegen eine Farbhaut, für die knallbunt als Beschreibung nicht reicht: Manz liefert Detonationen in Neon, nach denen man gern mal zehn Minuten grau sähe. Belebend.

Ausstellung Verena Manz, 7. Mai bis 26. Juni 2010

Unter dem Titel »Kunst, die kickt, kurz bevor was kippt« schrieb Christian Mückl am 6.5.10 in der Nürnberger Zeitung:

Nicht nur farblich betrachtet kommt die Parallel-Ausstellung von Verena Manz in der Zumikon-Lounge einem Besuch in der Villa Kunterbunt gleich. Wobei selbst Pippi Langstrumpf vergleichsweise noch lahmt, was die Präzision der mit Tagesleuchtfarben bemalten, von Manz selbst geformten oder verfremdeten Traumzimmer-Einrichtung betrifft.
So präsentiert die 1962 geborene spätere Meisterschülerin von Werner Knaupp ihre Schau als Trip ins Wunderland quietschender Farben auf kindlich-sanft geformtem Objekt: Da ist etwa der »Schaukelstuhl für Unbetuchte«, den die Künstlerin wohlmeinend mit Handtüchern umwickelt hat. Da haben Bälle und Buchstaben Füße, sind Tapeten Hymnen auf den Klecks – und weil die Künstlerin Vogelkäfige im geöffneten Zustand am schönsten findet, fehlen ihr zwar die Piepmatze, dafür hat sie deren Behausungen mit Schleifchen verziert.
Dass ihre dem grauen Alltag entgegengereckten Gehstöcke für Senioren schon aufgrund der Farbgebung Signalwirkung haben, fügt sich ebenso ins Bild ihres bunten Budenzaubers wie die flirrende Malerei. Kein Wunder, dass ihre Kunst bereits auch in Krankenhäusern wie dem Klinikum Nord Eingang fand, um die Gemüter anzustrahlen. Im Zumikon gibt es sie auch ohne Rezept.

Ausstellung Bianca Schelling, 5.3. bis 24.4.2010

Unter dem Titel »Kunst-Welt zwischen Illusion und Wirklichkeit« schrieb Regina Urban am 10.3.10 in den Nürnberger Nachrichten:

Sind bei Kempf die einfachen Dinge der Alltagswelt Ausgangspunkt ihrer Kunst, so dienen Bianca Schelling Triebwerke und formvollendete Calatrava-Architekturen als Vorlagen für ihre großartigen Tuschemalereien. Ausschnitthaft herangezoomt erscheinen die technischen Konstruktionen beinahe wie ornamentale Gebilde oder Skulpturen, deren spannende Farbdramaturgie zwischen Hell und Dunkel, Licht und Schatten oszilliert. Je eigenwilliger und extremer die Perspektive ist, die Schelling dabei wählt, desto abstrakter erscheinen ihre Motive. Die gebaute Welt verdichtet sich in ihren Bildern zu faszinierenden Formschöpfungen, die manchmal so düster-erhaben wie gothische Kathedralen anmuten und immer von größter ästhetischer Spannkraft sind.

Ausstellung Bianca Schelling, 5.3. bis 24.4.2010

Unter dem Titel »Wehe, wenn der Ventilator« weht« schrieb Reinhard Kalb am 4.3.2010 in der Nürnberger Zeitung:

Erster Eindruck: Wo sind wir hier? Befinden wir uns in einem Kraftwerk megalomanischen Ausmaßes? Oder stecken wir unter einer Motorhaube und inspizieren den Kühlergrill? Bianca Schellings Gemälde präsentieren gigantische Turbinen, Ventilatoren und Windkanäle mit Kabeln und Rohren. Ihre Maltechnik (mehrere Lasuren Tusche auf Aluminium) verleiht den Industrievisionen bei aller Schwere etwas Leichtes, quasi Organisches. Allerdings verweigert Bianca Schelling jeden Größenmaßstab. Kein Mensch, kein Lebewesen verirrt sich in ihre High-Tech-Kammern. Dasselbe gilt für ihre architektonischen Visionen. Lange Fluchten, überdacht von geschwungenen Trägern aus undefinierbar metallischer Substanz, deren Staffelung sich im Unendlichen verliert. Ruinenromantik nach dem Aussterben der Menschheit? Ein kalter Hauch aus «Metropolis» durchzieht Schellings Gemälde, auch wenn die Künstlerin zugibt, Fritz Langs Meisterwerk nie gesehen zu haben.

Ausstellung Bianca Schelling, 5.3. bis 24.4.2010

Unter dem Titel »Wo Milchtropfen über die Landstraßr rasen« weht« schrieb daer am 4.3.2010 in der Nürnberger Abendzeitung:

Drauf- und Einsichten von Triebwerken, Windkanälen und futuristischen Bahnhöfen dienen Bianca Schelling als Vorlage für ihre atemberaubend genaue Tusche-Malerei, die nichts mit Fotorealismus zu tun haben will. ... Sie ist von Licht und Schatten fasziniert und modelliert verheißungsvoll-bedrohliche Kathedralen mit himmelwärts gerichteter Gotik, als seien sie neue Film-Kulissen für unheimlichen Metropolis-Expressionismus.

Ausstellung Reynold Reynolds: Films; 11. Dezember 2009 bis 13. Februar 2010

Unter dem Titel »Vom falschen Leben durchpulst« schrieb Georg Kasch am 11. Dezember 2009 in der Nürnberger Abendzeitung:

Mit altmodisch gewordenem Super-8- und 16-Millimeter-Material schafft Reynolds raumtiefe Bilder von Verwesung und Vergehen, von Leiden und Tod, die die Kraft und Ruhe barocker Stillleben atmen. Vielleicht lag es an ihnen, dass Gerhard Falkner, dichtender Wahl-Berliner und Teilzeitfranke, mit Reynolds zusammenarbeiten wollte. Entstanden ist so nicht nur der Kontakt zum Zumikon-Team, sondern auch der „Letzte Tag der Republik“: Während im Zeitraffer Abrisskräne reptiliengleich die letzten Betontürme des einstigen Palasts der Republik zerknabbern, spricht Falkner Verse von einer Wucht, die Shakespeare mit Heiner Müller versöhnen und Berlin mit dem antiken Karthago gleichsetzen. Dokumentarisch ist das und zugleich ein großes Menschheitsdrama, verdichtete Zeitgeschichte, filmisch kongenial aufgefangen.

Ausstellung Reynold Reynolds: Films; 11. Dezember 2009 bis 13. Februar 2010

Unter dem Titel »Beiläufig brennen die Betten« schrieb Christian Mückl am 10. Dezember 2009 in der Nürnberger Zeitung:

Das Institut für moderne Kunst kann sich glücklich schätzen, den aus Alaska stammenden, in Berlin lebenden Künstler (Jg. 1966) anhand dreier packender Filmattacken im Nürnberger Zumikon vorzuführen. Der Kontakt kam über den fränkischen Lyriker Gerhard Falkner zustande, der heute ebenfalls in der Hauptstadt wohnt und mit dem ungewöhnlichen Kunstfilmer befreundet ist.

Das Meisterwerk aber heißt »Burn« (2002). Hier setzt Reynolds, was das sprachlose Erkalten der Gefühle betrifft, noch eins drauf. Ein Mann wird gezeigt, der eine blonde Frau anzündet, die im Bett schläft. Bald greift das Feuer auf das Gebäude über – was Reynolds mit abgründig schönen Bildern tanzender Flammen vermittelt, aber auch mit beißender Irritation. Denn nebenan haust das nächste Paar. Vom Feuer allenfalls »leicht genervt« schweigen Mann und Frau weiter vor sich hin, während ihre Betten längst brennen …

Ausstellung Agnes Ritli, 8. Oktober bis 28. November 2009

Unter dem Titel »Aus Luftschlössern in Wartesäle der Zauberei« schrieb Georg Kasch am 8. Oktober 2009 in der Nürnberger Abendzeitung:

Bei Agnes Ritli, Nürnberger Akademiestudentin, besitzt das Fernweh noch Romantik: Feinste Bleistiftzeichnungen im Kleinformat zeigen Meerszenen und Venedig, im Raum hängt ein Segel. Romantisch auch das Verhältnis von angedeuteter Natur und Betrachter bei späteren Arbeiten, die aus Silhouetten und Andeutungen bestehen – Caspar David Friedrich zum Weiterdenken.

Ausstellung Agnes Ritli, 8. Oktober bis 28. November 2009

Unter dem Titel »Bis der letzte Blickfang fällt« schrieb Christian Mückl am 7. Oktober 2009 in der Nürnberger Zeitung:

Klaren Strichs schafft die Nürnberger Künstlerin karge Bildgeschichten über Alltägliches. Bis an die Grenzen des Figürlichen tastend gleichen ihre Werke Liebkosungen des Papiers, deren Reiz im Unausgesprochenen liegt.

Ausstellung Giorgio Hupfer
Vom Schätzesammeln und vom Sorgen

Unter dem Titel »Hupfers heilsame Handschrift« schrieb müc am 17.9.2009 in den Nürnberger Nachrichten:

Giorgio Hupfer war in Indien. Weg vom Nürnberger Kulturbetrieb: Einkehr halten, Schriften lesen, »den Spirit spüren: Wow!«

Aber auch ein lebendes Gesamtkunstwerk muss halt mal wieder nach Hause. Das ist dann hart. Zumal während der Wirtschaftskrise. Die flog dem vielseitigen Kulturpreisträger flott um die Ohren: »Geh’ dann mal auf die Bank, noch dazu als Künstler.« Selbst mit viel Spirit kommt man dort nicht mehr weit.

Also hat Hupfer wieder Einkehr gehalten – aber nun im Muggenhofer Atelier. Hat wieder Schriften gelesen. Und gestutzt: Denn was er las, traf den Knackpunkt der Krisen-Hysterie im Kern. Sätze wie »Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen« oder »Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat«, kamen der indischen Weltsicht recht nah – und waren doch uraltes christliches Gedankengut. Hupfer las das Kapitel »Vom Schätzesammeln und Sorgen« im Neuen Testament.

Weil er aber nun mal eine Künstlerseele hat und nicht die eines Predigers, weil er noch dazu die selten gewordene Kunst einer markanten Handschrift pflegt, zelebrierte Hupfer als alter Stilist des Erhabenen die Entdeckung auf seine Art: Er fertigte 16 Schriftbilder an, in denen er, beinahe kalligraphisch, die erbaulichen Bibelsätze auf Büttenpapier bannte. Indischen Meditationstafeln ähnlich hat Hupfer die Worte über den schnöden Mammon beseelt mit Bleistift ins Bild gesetzt. Eine »Übung«, noch für den Betrachter: »Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz«.

Jubiläumsausstellung »Die unendliche Schleife / 10 Jahre zumikon – 101 Jahre Max Bill«, 20. Juli bis 29. August 2009

Unter dem Titel »Ein großer Kunsttraum und was daraus wurde« schrieb Regina Urban am 17. Juli 2009 in den Nürnberger Nachrichten:

Am Sonntag feiert das Zumikon in der Großweidenmühlstraße 21 seinen 10. Geburtstag. Mit dem Haus, erbaut nach einem Entwurf des Schweizer Künstlers Max Bill, hat sich der Nürnberger Immobilieninvestor und Kunstförderer Volker Koch einen »Traum« erfüllt. Kunst, Kultur und kommerzielle Nutzung sollten hier eine fruchtbare Symbiose eingehen. Anlässlich des Jubiläums haben wir nachgefragt, was aus dem Traum geworden ist.

Als das Zumikon im Herbst 1999 feierlich eröffnet wurde, startete für Volker Koch ein »kultureller Selbstversuch«. Der kunstsinnige Bauherr, der sich zuvor schon als Sponsor des renommierten Renta-Preises einen Namen gemacht hatte und Ehrenmitglied der Nürnberger Kunstakademie ist, betrachtete den »Zumikon Art Club« (der etwas elitär klingende Zusatz wurde bald gestrichen) von Anfang an als »Experimentierbühne«.

Auf ein starres Konzept wurde bewusst verzichtet, nur die Raumnutzung war klar geregelt: Im Erdgeschoss zwei zum Garten hin offene Schauräume für die Kunst, dazwischen ein Restaurant, im ersten Stock der »First Floor«, eine Mischung aus Kunstverkaufsladen und Galerie. Dazu sieben Appartements vorzugsweise für Stipendiaten und Künstler, die zu Gast in der Stadt weilten, und unterm Dach das luftig-lichte Attikageschoss für Tagungen und Kulturveranstaltungen aller Art.

Bereits nach anderthalb Jahren musste Koch feststellen, dass das Experiment fürs erste schief gelaufen war. Die Kunst, in Gestalt der Galerien Birner + Wittmann und Kohlenhof, war wieder ausgezogen, kurz darauf schloss der »First Floor« mangels Nachfrage. Vor allem letzteres war für Koch »eine Enttäuschung«, sollten in der von Verena Waffek, Helga von Rauffer und Eva Schickler betriebenen Ladengalerie doch alle Fäden des Hauses zusammenlaufen.

Auch Veranstaltungen wie Lesungen, Konzerte, Comedy und Künstlergespräche waren bald passé. Längst sind das Dachgeschoss und die Appartements als Büros vermietet. Es war nicht zuletzt die »liebe« Nachbarschaft, die der schönen Idee vom lebendigen Kulturhaus einen Strich durch die Rechnung machte. Auf Beschwerden wegen Ruhestörung folgte die Forderung seitens der Stadt, das Haus als Hotel auszuweisen. Seitdem gibt es hier keine Gästewohnungen für Künstler mehr. »Das mussten wir leider sein lassen, die Auflagen für einen Hotelbetrieb wären zu hoch gewesen«, bedauert Koch.

Viele Gründe also, das Handtuch zu werfen. Das Zumikon als rein gewerbliches Mietobjekt weiter zu betreiben, kam für Koch jedoch nie in Frage. Zwar dominiert in seinem »Traum«-Haus derzeit die nicht-kulturelle Nutzung in einem Ausmaß, mit dem auch er nicht ganz glücklich ist, der Ausstellungsbetrieb aber hat dauerhaft überlebt. Nach einer Interimsbespielung der Schauräume durch vier Nürnberger Galerien holte Koch 2003 mit dem Institut für moderne Kunst einen Ausstellungsmacher ins Studio, der Qualität und Kontinuität versprach. Seitdem wird hier regelmäßig zeitgenössische Kunst aus dem deutschsprachigen Raum und darüber hinaus präsentiert, während die von Verena Waffek kuratierte Lounge gegenüber für junge Künstler aus der Region reserviert ist. Insgesamt über 70 Ausstellungen, großzügig unterstützt vom Hausherrn und seiner Kochinvest-Gruppe, haben das Zumikon seitdem als feste Größe in der hiesigen Kunstszene etabliert.

Und auch die anfänglichen »Störeffekte« mit der Gastronomie, die sich mit der Kunst nicht so vertrug wie erhofft, sind vorbei, seit Charlotte von Elm, selbst Künstlerin und Hobbyköchin, zusammen mit ihrem Mann das Restaurant im Zumikon, kurz: »r.i.z.«, 2007 übernommen hat. Das Pächterpaar betreue die Ausstellungen sehr engagiert und beziehe bei seinen kulinarischen Veranstaltungen die Kunst explizit mit ein, ist Koch voll des Lobes. Einziges Manko: Das wunderschön im Grünen gelegene Restaurant öffnet jetzt nur noch für private Feiern, während der knapp bemessenen Ausstellungszeiten (dienstags bis samstags von 17 bis 20 Uhr) gibt es lediglich Getränke.

Koch macht keinen Hehl daraus, dass er eine Art Museumscafé mit ganztägigen Öffnungszeiten bevorzugen würde. Doch es war nie sein Stil, den Hausbewohnern reinzureden: »Kinder entwickeln sich auch nicht immer so wie die Eltern sich das vorstellen. Man muss offen sein für Überraschungen.« Auch wenn das Zumikon heute nicht ganz dem Ideal seines »Vaters« entspricht, so ist Volker Koch trotzdem »zufrieden und sogar ein bisschen glücklich« über das, was da an der Pegnitz gediehen ist. Am Sonntag (ab 15 Uhr) soll deshalb auch ganz unbeschwert gefeiert werden bei einem Sommerfest mit Musik, Reden und einer großen Geburtstagsschau mit Plakatwerken von 45 Künstlern.

Jubiläumsausstellung »Die unendliche Schleife / 10 Jahre zumikon – 101 Jahre Max Bill«, 20. Juli bis 29. August 2009

Unter dem Titel »Zumikon: Jubiläums-Ausstellung und Sommerfest« schrieb Christian Mückl am 17. Juli 2009 in der Nürnberger Zeitung:

Zehn Jahre Nürnberger Zumikon, dazu 101 Jahre Max Bill – ergibt das nicht mindestens Kunst-Geschichten aus 1001 Nacht? Und überhaupt: Wie kriegt man das als Jubiläum verpackt? Hinter den Mauern des Max-Bill-Baus Zumikon, seinem Werk an den Gestaden der Pegnitz, hat die Lösung des Problems nun einen Namen. Sie heißt vielversprechend »Die unendliche Schleife«. Und diese bindet sowohl posthum den Architekten als auch aktuell rund 50 künstlerische Zumikon-»Gäste« der letzten zehn Jahre ein.

Seitdem Mäzen Volker Koch 1999 seine Vision wahr werden ließ und beschloss, das Prachtgrundstück am Fluss nicht durch den Bau neuer Luxuswohnungen zu versilbern, sondern an der Großweidenmühlstraße 21 lieber nach Plänen des Schweizer Malers, Bildhauers und Bauhaus-Architekten einen Kunst-Ort entstehen zu lassen, war viel los. Es fanden mehr als 50 Ausstellungen statt, dazu Konzerte, Lesungen, Kultur-Spektakel aller Art – zwei Mal sogar Gottesdienste. Außerdem nutzten Künstler die Atelierwohnungen im Obergeschoss als Unterkunft.

Zur Jubiläums-Ausstellung nun – und zum bevorstehenden Sommerfest am Sonntag – hat ein Großteil der früheren Zumikon-Künstler eine »endlose Schleife« erschaffen, indem ein jeder sein ganz individuelles Ausstellungsplakat entwarf. Oftmals witzig, mitunter recht frech im Ergebnis, war der Max-Bill-Bezug die einzige Vorgabe. Was dabei heraus kam, kann man jetzt wiederum in der Lounge und im Studio sehen, denn die Plakate wurden zu mehreren Schleifen verbunden und baumeln nun im Gebäude, das übrigens nach dem Zürcher Stadtteil benannt wurde, in dem Bill zuletzt wohnte.

Und wo er 1994 starb – so dass Kollegen sein geplantes Werk an der Pegnitz vollendeten. Umso schöner, dass der auch philosophisch agile Schweizer Schlaukopf (geboren 1900) nun in der Nürnberger Schleifenlösung nochmal aufleben darf – denn die Idee einer »Linie, die durch eine Schleife zur Unendlichkeit führt« wurde ja ebenfalls von ihm in die Welt gesetzt.

Künstler Christoph Haupt rückt auf seinem Plakat neben dem Vorschlag »Die Kunst braucht rechte Winkel« auch den Gegenvorschlag »Hauptsache Bill-ig« ins Bild. Auch der Wortkünstler Gerhard Falkner will auf Mehrdeutigkeiten hinaus – wo »Bill» doch nicht nur ein Nachname ist, sondern auf Englisch auch »Rechnung« heißt. Den Mäzenaten vor Augen, der wiederum sein Geld als Immobilienunternehmer verdient, ließ Haupt ein Plakat drucken, auf dem »Volker Builds The Bill« der Aussage »Volker Pays The Bill« gegenübersteht.

Aber es stimmt ja. Dass eine Kuratorin wie die Künstlerin Verena Waffek gut fünf Mal pro Jahr regionale Künstler in die Lounge einladen kann, während parallel dazu im Studio das Institut für Moderne Kunst neue Kunst aus dem In- und Ausland präsentiert, ist nur möglich, weil der Hausherr privates Geld ins »Experimentierkästchen«, wie er das Gebäude liebevoll nennt, steckt.

»Gerade in Zeiten nicht prall gefüllter öffentlicher Kassen ist privates Engagement wertvoller denn je«, bekundet ihm OB Ulrich Maly Hochachtung dafür: »Mit dem Zumikon hat Volker Koch ein Kulturinstitution geschaffen, die einen ganz eigenen Charakter besitzt.«

Doch den gäb’s natürlich kaum ohne Künstler. Beziehungsweise die, die im Zumikon auch mal was Gewagteres zeigen. Manches davon ist quasi unbezahlbar – auch in der Erinnerung. So denkt etwa Manfred Rothenberger vom Kunst-Institut noch gut daran, wie ihm die Präsentation von Michael Sailsdorfer schlaflose Nächte bescherte. Der hatte für sein Werk »Zeit ist keine Autobahn« mit einer Reifenabreibemaschine zwei Ausstellungs-Monate lang dauernd Auto-Pneus gewetzt. Jedenfalls stank es so stechend nach Gummi, dass Rothenberger eine Beschwerde seitens der Restaurantbetreiber im Zumikon befürchtete, mit dem Ergebnis »der Volker Koch schmeißt mich hier noch raus«. Der wiederum dachte nicht im Traum daran – und freut sich noch heut.

Jubiläumsausstellung »Die unendliche Schleife / 10 Jahre zumikon – 101 Jahre Max Bill«, 20. Juli bis 29. August 2009

Unter dem Titel »Wechselnde Liebschaften« schrieb daer am 17. Juli 2009 in der Nürnberger Abendzteitung:

Das quergelegte Unendlichkeitssymbol dient Ausstellungsarchitekt Andreas Oehlert als Raumteiler und Jubiläumssignal: Die Schleife passt zum Festanzug. Theorie-Statements von Bill wurden 48 Künstlern als Kreativ-Knetmasse hingeworfen. Eva von Platen lässt – »Form ist alles, was wir sehen« – eine einäugige Katze groß gucken. Ulrich Emmert geht mit »Kill Bill« und Uma Thurman gegen einen Bill-Leitsatz vor: »Ich versuche, eine Gegenwelt aufzustellen gegen die Konfusion, in der wir heute leben.« Und Autor Gerhard Falkner stößt mit seinem Entwurf in Konkrete Poesie vor: »Volker builds the Bill, Volker pays the Bill.«
Gemeint ist der Nürnberger Immobilienunternehmer Volker Koch, der Bill für sein Projekt auf der »Schnittstelle zwischen Kultur und Wirtschaft« begeisterte Ein »Experimentierkasten« öffnete sich mit »wechselnden Liebschaften«, also Mietern, und Ideen, mit Gottesdiensten und Lesungen, 157 Ausstellungen und »zwischen 10000 und 100000 Besuchern« in zehn Jahren. Für Manfred Rothenberger (Institut für moderne Kunst) ein »unglaubliches Modellprojekt« bürgerlichen Engagements. Für Koch ein »tägliches Lebensmittel«: »Wenn ich im Grünen leben will, muss ich meinen Garten pflegen.«

Ausstellung »Burkard Blümlein: Vorgeschichten, Nachbilder«, 8. Mai bis 27. Juni 2009

Unter dem Titel »Gelochte Geschichten, verwüstete Zeit« schrieb GK am 28. Mai 2009 in der Nürnberger Abendzeitung:

Der gebürtige Franke (Burkhard Blümlein), der an der Nürnberger Kunstakademie studierte, verleiht jedem Ding eine ebenso zärtliche wie streitbare Poesie: der im Krieg brandbefleckten Tasse, dem zerkratzten Tisch, zerlöchertem Pressholz. Sie alle erzählen Geschichten. Man muss sie nur lassen.

Ausstellung »Burkard Blümlein: Vorgeschichten, Nachbilder«, 8. Mai bis 27. Juni 2009

Unter dem Titel »Die Schönheit in den Spuren des Alltäglichen« schrieb müc am 7. Mai 2009 in der Nürnberger Zeitung:

Burkhard Blümleins Kunst hat etwas Mönchisches: Sein Zerbrechen von Porzellan, um es wieder zusammenzufügen. Sein Zerkratzen von Glas, um es abzuzeichnen. Das Sichtbarmachen von Spuren.

Akzeptiert man Blümleins Position, wonach ihm zeitgenössische Kunst oft »unglaubwürdig» erscheint – als er studierte, waren zum Beispiel die bizarren Gemälde der »Neuen Wilden» en vogue –, kann man seine Suche nach Essenz in jeder gekitteten Tasse, jeder geflickten Decke, jeder perforierten bunten Plastikflasche, die er im Kunst-Raum des Zumikons »Bild werden» lässt, sehen: »Ich will nur tun, was ich verantworten kann.»
Das ist nicht viel. Mit der rosenkranzartigen Kette, auf ein Radwerk gehängt und »Perlenzähler» betitelt, ist wohl auch sein Kunstbegriff benannt: Zwischen Minimalismus und Zen. Will man ihm Böses, sagt man Beliebigkeit, wenn nicht, dann womöglich Bescheidenheit dazu, wie er dezent Alltagskram, Mobiliar, Murmeln oder ein perforiertes Straußenei im Raum drapiert, damit es, »Gesprächen» gleich, im Raum »korrespondieren» kann. Dass Blümlein seinen asketischen Prozess des Schaffens über das Ergebnis stellt, schließt Ästhetik nicht aus. Nicht im Zumikon – wo sein Elfenbeinturm offene Türen hat.

Ausstellung »Dorothee Berkenheger: Routing«, 6. März bis 25. April 2009

Unter dem Titel „Außerirdische im hölzernen Labyrinth“ schrieb daer am 5. März 2008 in der Abendzeitung Nürnberg:

Dorothee Berkenheger (...) liefert bei ihrer Nürnberg Rückkehr eine Premiere. „Routing“ ist ein hölzerner Verkehrskreislauf in Unschuldsweiß, der sich mit all seinen Kurven, Brücken und Kreuzungen Loopings sparen kann. Modellkonstruktion auch so. Eine 3D-Zeichnung, die ornamentale Züge hat. Und spielerische. Mitspielen ist bei der Leihgabe aus dem Kinderzimmer jedoch nicht erwünscht: Betreten der Fahrbahn verboten!

Ausstellung »Doris Marten: SEQUENCES«, 12. Dezember bis 7. Februar 2009

Unter dem Titel »Die Streifenmalerin und der Fadenkünstler« schrieb R.U. am 16. Dezember 2008 in den Nürnberger Nachrichten:

Martens akribisch gemalte Farbgeflechte aus Streifen mit Klebebandanmutung folgen zwar einem genauen Ordnungssystem, wirklich habhaft wird man dieser Ordnung jedoch kaum. Die permanente Verschiebung von Streifen und Farbintervallen verleiht ihren Bildwerken, die aus einer Vielzahl seriell gestapelter oder gehängter Elemente bestehen, eine flirrende Dynamik. So betreibt die Künstlerin ein raffiniertes Spiel mit dem visuellen Effekt, bei dem sie auch mal Malerei vortäuscht, wo tatsächlich nur leere Wand ist.

Ausstellung »Thilo Westermann«, 4. Juli bis 5. Oktober 2008

Unter dem Titel »Vergänglichkeit, Erotik und purer Luxus« schrieb R.U. am 10. Juli 2008 in den Nürnberger Nachrichten:

Auch bei Thilo Westermann, der als Meisterschüler bei Michael Munding studierte und in der Zumikon-Lounge ausstellt, ist der Tod allgegenwärtig. Der 27-Jährige inszeniert Blumen und Pflanzen in akribisch naturgetreuen Buntstiftzeichnungen und hochartifizieller Hinterglasmalerei als Boten der Vergänglichkeit. An aufgespießte Schmetterlinge erinnern die Phloxblüten, schon im Zustand des Verwelkens. Zum barocken Vanitas-Motiv von unnahbarer Schönheit gerinnt das Arrangement von Bouquet, Madonnenbild und Gucci-Flasche in einer Hinterglasmalerei auf tiefschwarzem Grund. Puren Luxus verströmt dieses Bild, in dem die Natur zum Kunstgeschöpf domestiziert ist und der Narziss-Mythos, auf den sich Westermann bezieht, auch in der spiegelnden Oberfläche aufscheint.

Ausstellung »Thilo Westermann«, 4. Juli bis 5. Oktober 2008

Unter dem Titel »Skelett und Rose« schrieb Georg Kasch am 4. Juli 2008 in der Abendzeitung Nürnberg:

… die Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit: Alles ist eitel. Seine atemberaubend präzisen Blumenstillleben atmen barocke Lust und Tod. Zart entfaltet sich die Rose als Buntstiftimitation kurz vor dem Verblühen. Eitelkeit auch in seinen Hinterglasmalereien: Ein Markenparfüm oder eine kunsthistorische Anspielung betonen Luxus und Einzigartigkeit, aber auch konsumierbarkeit der Bilder. Nicht zufällig spiegelt sich der Betrachter in der Oberfläche – Narziss is watching you.

Ausstellung Thilo Westermann, 4. Juli bis 5. Oktober 2008

Unter dem Titel »Ab in den Wald, zurück ins Atelier« schrieb Reinhard Kalb am 3. Juli 2008 in der Nürnberger Zeitung:

So arrangiert Thilo Westermann bunte Blumen zu einem schönen Strauß und malt sie ab als Hinterglasmalerei – in glänzendem Schwarzweiß. Helldunkel-Werte erziehlt der Student der Philosophie und Kunstgeschichte durch minuziöse Punktierung. Parfümflakons, Familienfotos und Spiegelungen vervollständigen die Stillleben und greifen die hochartifizielle Ästhetik der Werbung auf. Glasklar, eiskalt, künstlich bis zur Synthetik.

Ausstellung »Johannes Kersting: Feldforschung«, 18. April bis 20. Juni 2008

Unter dem Titel »Spiel mit natürlichen und virtuellen Schatten« schrieb Bernd Zachow am 24.4.08 in den Nürnberger Nachrichten:

Das Zeichnen versteht Nanne Meyer als ein „Denken mit dem Stift in der Hand“, als einen Versuch, dem Flüchtigen Form und Dauer zu verleihen. Das scheint bei ihr manchmal fast automatisch abzulaufen. Der Zeichenstift rennt förmlich über das Papier, eine dichte Textur aus anmutigen Wellenlinien hinterlassend, oder ein labyrinthisches Gefüge geometrischer Figuren. Daneben gibt es jedoch auch Blätter, die von einem zähen Ringen zeugen, von einer geduldigen Suche nach Kontur und Gestalt. Nachvollziehbar sind Phasen des Innehaltens, des Abwägens und Auswählens. Das Ziel ist eine Komposition, in der sich Spontaneität und Ordnung, Gegenständlichkeit und Abstraktion verbinden. ... Um Kunst als Produkt der menschlichen Vorstellungskraft geht es auch bei Johannes Kersting. Der Mittelpunkt seiner Präsentation ist ein Stück Scheinarchitektur, bestehend aus einer an die Galeriewand projizierten Computeranimation und ein paar Styropor- Teilen. Die Illusion ist keineswegs perfekt. Bei näherem Hinsehen offenbaren sich gewisse Material-Ambivalenzen und seltsame Widersprüche zwischen natürlichen und virtuellen Schatten. Doch dem Künstler geht es auch nicht um vollkommen vorgetäuschte Wirklichkeit, sondern vielmehr um einen Hinweis auf die Wirklichkeit der Täuschung. Auch Kerstings Zeichnungen und Tafelbilder beweisen die Macht der Imagination, die im kleinen Ausschnitt, im symbolhaften Detail das große Ganze zu erkennen vermag.

Ausstellung »Johannes Kersting: Feldforschung«, 18. April bis 20. Juni 2008

Unter dem Titel »Frau Meyer schwärzt das Hafenviertel« schrieb Christian Mückl am 18.4.08 in der Nürnberger Zeitung:

Manche Künstler geben Bildern komische Namen. Johannes Kersting hingegen gibt komischen Namen Bilder. »Feldforschung« ist zum Beispiel so ein Begriff, der Kerstings Fantasie beflügelt: Also sehen wir einen Forscher im Spargelfeld, den Kersting mit feinem Bleistiftstrich zu Papier gebracht hat. Andere Wortbilder aus dem Vokabelheft deutscher Bürokraten, »Straßenstück« etwa, oder »Kanalabschnitt«, dienen dem jungen Künstler für weitere Blätter im Nürnberger Zumikon als Steilvorlagen. ...
Ist sie (Nanne Meyer) von allen guten Geistern verlassen? Oder ist das Gegenteil der Fall? Auf vergilbten Panorama-Landkarten der Schweizer Alpen hat Meyer Gebirgszüge so herausgearbeitet, dass diese zu Gespenstern mutieren. Passt der eidgenössischen Bergwelt übrigens nicht mal so schlecht in die Visage ...